Elmar Springer - sein Leben


Die ersten Schritte

Elmar Springer wurde am 28.04.1940 als Elmar Heinz Hüpfer in Einbeck geboren. Seine Eltern, Giesela und Alfred Hüpfer konnten dem kleinen Elmar nicht viel bieten. Elmars Vater war notorischer Alkoholiker mit einer schwäche für Volksmusik. Elmars Mutter Giesela war gegen die Gewaltausbrüche des Gelegenheitsarbeiters machtlos, sodaß Elmar schon fast zwangsweise seine Bestimmung finden musste - die Musik.

Der kleine Elmar

Musik ist sein Leben

Singen ist Elmars ein und alles. Elmi, so wurde er von seiner Mutter genannt, fixierte sich immer mehr auf sein Ziel: Sänger werden und reagierte ungehalten, sobald ihn jemand mit einer anderen Meinung konfrontierte, wie zum Beispiel sein Onkel Leif. Ihm rammte Elmar eine Gabel in die Hand, fixierte ihn so am Tisch und sang ihm das Lied vom Heidenröslein vor. Gott sei dank verstarb Onkel Leif kurze Zeit später, sodaß der kleine Elmar, ohne belangt zu werden, den Weg in die Schule antreten konnte.

Lernen fürs Leben

Von vielen wurde Elmar für seine Gesangseinlagen nicht geachtet. Ein Großteil seiner Klassenkameraden hasste ihn sogar für seine Vorstellungen, die ihn in den Mittelpunkt rücken sollten. Auf einem Elternabend, so berichten Anwesende, gab es einmal ein Gespräch über die Abfälligkeit Elmars gegenüber seiner Mitschüler. So soll er einen Mitschüler auf der Schultoilette mit Springseilen an einem Heizkörper gefesselt haben und ihm dann sein selbst geschriebenes Lied von Giesela vorgesungen haben. Elmar kam mit einem Verweis davon und fühlte sich so nur bestärkt in seinem Handeln.

Veränderungen

Kurze Zeit darauf starb sein Vater an einem Herzinfarkt, den er nach einem Tobsuchtsanfall erlitten und Elmar und seine Mutter verprügelt hatte. Elmar war nicht traurig über diesen Verlust. Aufatmend beschritten er und seine Mutter daraufhin einen neuen Lebensweg. Sie sicherten sich einen großen Teil ihres Lebensunterhaltes nun dadurch, daß Elmi auf Dorf- und Familienfesten auftrat. Seine Mutter unterstützte ihn jetzt voll und ganz in seinem Bestreben Sänger zu werden. Bis zur 12.Klasse waren es wunderbare Jahre für die Beiden. Doch alles ändert sich, wenn man es am wenigsten erwartet. In der 13. Klasse lernte Elmar ein junges Mädchen kennen - Elvira. Neu zugezogen und unbekannter Herkunft eroberte sie Elmars Herz im Sturm. Bei Elvira war es nicht nur das was man in Teenagerkreisen auch gemeinhin verliebt sein nennt, sondern schon blinde Vergötterung seiner Person. Elvira war Elmars Ausstrahlung erlegen. Elmar war sich dessen bewusst und nutzte Elviras Ergebenheit, um sich einiger Dinge zu entledigen.

Tschau Mama

Giesela litt ganz besonders unter dieser neuen Frau in Elmars Leben. Aber die kurze Zeit, in der Giesela der Mittelpunkt in Elmars Leben war, schien vorüber. So verbot ihm Giesela auch nur ein Photo von Elvira anzusehen und verbrannte sie. Elmar und Elvira schmiedeten dagegen insgeheim weiter Pläne für eine gemeinsame Zukunft. Da sollte auch die Mutter nicht mehr im Weg stehen. Eines Tages fand man Giesela Springer tot in ihrem Bett. Die Polizei ging davon aus, dass sie sich mit einem Mix aus Rattengift, Schlaftabletten und Morphium wahrscheinlich selbst umgebracht hatte. Allerdings konnte nie ganz geklärt werden, wie sie an das Morphium gelangte. Elmar lies sie schlicht auf dem städtischen Friedhof Einbeck begraben und verlies die Stadt mit Elvira Richtung Hamburg.

Ein neues Leben

Elmar war überzeugt von seinem Talent und Elvira bestärkte ihn in seinem Glauben. Er hatte sein passendes Gegenstück gefunden und so heirateten beide auf dem Weg nach Hamburg in einer kleinen Bahnhofsmission. In Hamburg angekommen, arbeitete Elmar in vielen Gelegenheitsjobs. Als Assistent für einen Reiseverkehrskaufmann, als Gebäudereiniger, als Schlachter - doch der Beruf Sänger blieb vorerst nur ein Traum. Elvira hütete unterdessen die kleine 15qm-Wohnung im Hamburger Arbeiterviertel Wandsbeck. Die Jahre gingen ins Land, doch Erfolg blieb aus. Elmar wurde schließlich gekündigt und die finanzielle Situation verschlechterte sich rapide. Elmar befand sich körperlich und seelisch in seiner bisher schwersten Schaffenskrise, aus der ihm nicht einmal Elvira helfen konnte.

Ein Ausweg?

An einem kalten Freitag-Winterabend hatte Elmar mit seinem verkanten Leben und mit den Leuten, die ihn diese Bürde auferlegt hatten, abgeschlossen. Elmar wollte sein Leben in einen Elbeseitenkanal beenden. Elmar sang ein letztes Mal sein "Giesela". Doch die Selbstrichtung sollte zum Aufstieg werden. Vom Gesang Elmars belästigt, kam es zum handfesten Streit mit einem Hafenarbeiter. Elmar wurde die Nase gebrochen. Der Hafenarbeiter erlitt mehrere Gesichtsfraktuen und wurde schwer entstellt ins Krankenhaus eingeliefert. Diesen Kampf beobachtete der vorüberfahrende Andius Marian, Musikmanager und Scout der PIH. Noch vom Kampf gezeichnet konnte Elmar sein erstes Vorsingen ergattern. Elmar nutzte seine Chance, ihm war bewusst, er hatte nur diese eine. Elmar erhielt zu seiner Freude einen unbegrenzten Vertrag, doch er war auch verpflichtet sein Privatleben hinter die Interessen von PIH zu stellen. Diese Klausel war für das Ehepaar egal, sie wollten ins Rampenlicht und mit ein wenig Glück war es geschafft. Begeistert und euphorisch konnten beide, knapp über zwanzig Jahre alt, nun von all dem träumen, was vor einiger Zeit noch so fern schien.

Die Erfolge

Zusammen mit Marian gründete das Ehepaar Springer die "Einbeck Schlagergott GmbH". Die ersten drei von Thorwald Andersen produzierten Alben wurden ein voller Erfolg: "Die Wohnung über Martina", "So goldig wie Dukaten" und "Der kleine Hund von nebenan" wurden im Einjahreszyklus veröffentlicht und konnten sich jeweils 6, 9 und 4 Wochen an Platz eins der Hitparade halten. Auch seine erste ausgekoppelte Single "Giesela" wurde ein Hit.13 Wochen auf Platz eins der Verkaushitparade und Nummer eins im Land der aufgehenden Sonne. Elmars Popularität wuchs innerhalb kürzester Zeit ins Unermessliche. Den Wohnsitz verlagerte Elmar nach Blankenese, wenn er überhaupt noch in Hamburg anzutreffen war - Gastauftritte, Interviews und Konzerte. Elvira war begeistert und wich auch bei sämtlichen Tonaufnahmen im Studio nicht von der Seite ihres Gatten. Doch schon früh in der Karriere kam es zum ersten Eklat. Als sich der Toningenieur beschwerte, Elvira würde wegen ihrer Erkältung zu laute Atemgeräusche machen, biss sie ihm nach einem eskalierenden Streit in den Arm und der Toningenieur wurde von Marian persönlich entlassen, während Springer und seine Frau walten konnten wie bisher. Elmar füllte Konzerthallen in ganz Deutschland. Sein erstes Konzert gab er in seinem früheren Heimatort Einbeck, umringt von ehemaligen Klassenkameraden, wurde es für beide eine Genugtuung, die Gewandelten von damals in der ersten Reihe zu sehen.

Erste Probleme

Bei der anschließenden Autogrammstunde im ersten Wohnsitz von Elmar allerdings geschah Fürchterliches, das bis heute nie ganz geklärt werden konnte. Ein Fan, Elmars ehemaliger Klassenkamerad, den er damals an die Heizung kettete, verlies als einer der Letzten die frühere Springer-Wohnung und wurde zwei Tage später als vermisst gemeldet. Bis heute ist sein verbleib unklar. Unbeeindruckt von diesen Vorfällen begann Elmar seine große Deutschlandtour, mit Stationen in München, Heidelberg, Düsseldorf, Bremen und natürlich einem Gastspiel bei der ZDF-Hitparade in Berlin. Für Elmar und Elvira drei glückliche Jahre. Sie kauften ein noch größeres Haus, einen Mercedes samt Fahrer, weil keiner der beiden je einen Führerschein besaß und sie adoptierten einen Rehpintscher aus einem Hamburger Tierheim - der Anlass für sein drittes Album. Doch immer häufiger geriet Elmar mit denen in Konflikt, die ihn groß machten - seinen Fans. Am Rande eines Konzertes stürzte sich Elvira auf einen Fan, der sie heimlich fotographierte und schlug im zwei Schneidezähne aus, Elmar selbst beobachtete das Possenspiel und zeigte sich zufrieden. Diesmal kamen beide nicht ungeschoren davon. Die Polizei verhaftete das Ehepaar wegen Körperverletzung und unterlassener Hilfeleistung. Nur gegen eine hohe Kaution und das Zureden von Marian konnten beide einen Tag später das Gefängnis, in dem sie getrennt festgehalten wurden, verlassen. Diese negativen Vorkommnisse, angeheizt von einigen Zeitungen, schlugen sich deutlich auf Elmars Verkäufe nieder. Die Hallen nur noch halb gefüllt, der Verkauf der neuen Konzertmitschnitt-LP schleppend.

Der Anfang vom Ende

Doch unbeirrt zieht Elmar weiter seine Kreise. Selbst als Elvira erneut verhaftet wird, weil sie einen Polizisten tätlich angriff, sehen sich beide als unschuldig. Elmar lies seinen Fahrer im Halteverbot stehen, um den Mercedes mit neu erworben Textilien zu beladen. Als ein Streifenpolizist, der Knöllchen verteilte, dazukommt, kam es zum Übergriff. Elvira wird festgenommen und von der Staatsanwaltschaft wird ein psychologisches Gutachten angefordert. Elvira wird ein Hang zur Aggression bescheinigt, doch sie kommt frei. Zwischenzeitlich versucht Elmar seine Tournee weiterzuführen, doch ohne Elvira leidet Elmar, seine Konzerte platzen, er sagt Pressetermine ab. Marian verlangt von Elmar eine Besserung. Doch Elmar ist ungehalten, nervös und verunsichert. Als ihn die Menge beim Gang ins Hotel auspfeifft, wirft er einen Blumenkübel samt Palme aus dem Hotelfenster mitten in die Menge. Marian und der gesamte Vorstand kündigen den Vertrag mit Springer. Nur eine letzte Abschiedstournee ist noch geplant. Die Zeitungen und Klatschblätter überschlagen sich, sein Karriereende scheint nah. Elmar hat sich damit nicht abgefunden und lebt weiter seiner eigenen Welt. Teure Anzüge, teure Zigarillos, luxuriöse Unterkünfte.

Wie konnte es nur so weit kommen?

Elvira hat Freigang. Beim ersten Konzert seiner Abschiedstournee kann sie Elmar beiwohnen. Beflügelt von ihrer Anwesenheit liefert Elmar eine unglaubliche Vorstellung ab. Die kleine Halle mit den letzten harten Fans ist begeistert. Nach dem Konzert gelingt es zwei Fans - Heidrun und Wolfgang Gleis- sich zu Elmar und Elvira ins VIP-Zelt zu schmuggeln. Überraschender Weise werden sie von beiden nicht abgewiesen, sondern auf einen kurzen Verbleib im Hotel eingeladen. Verwundert bekommt Springers Fahrer den Abend frei, nicht wie sonst, wenn Elvira und Elmar noch dinieren fahren. Die Hotelangestellten berichteten nur, das die Springers nicht gestört werden möchten. Am nächsten Morgen werden Heidrun und Wolfgang Gleis schwer misshandelt, auf zwei Stühlen gefesselt, von einem Pagen aufgefunden, wirr von " wir sind doch nur Fans" sprechend. Elmar und Elvira werden auf dem Bahnhof gefasst und nur Elvira leistet bei ihrer Festnahme heftigen Widerstand. Elmar wird der Staatsanwaltschaft vorgeführt, Elvira sofort in die Psychiatrie eingewiesen. Marian distanziert sich in einer bekannten Zeitung von den Vorwürfen der Mitwisserschaft und entläßt Springer fristlos, wenig später wird er selbst vom Vorstand vor die Tür gesetzt. Die Staatsanwaltschaft kann Springer nicht verurteilen, da die einzigen Zeugen, die Geschädigten selbst, auf Grund ihrer voreingenommenen Lage keine vertrauenswürdigen Informationsquellen sind. Elmar kommt davon und steht vor dem Scherbenhaufen seines Lebens. Kurze Zeit später kehrt Elvira nach einem begleiteten Freigang nicht mehr in ihre Anstalt zurück und auch Elmar bleibt unauffindbar verschollen...